30 Nov. 2020

Päckchenchaos im Advent

Der Advent ist da und mit ihm werden – auch wegen Corona – Rekordmengen an Päckchen und Paketen erwartet. Während Stern.de fragt, ob Hermes, DHL und Co. die Postflut überhaupt noch bewältigen können, betrachte ich mir meinen eigenen Posteingang und erschrecke!

Letzte Woche Freitag, also zwei Tage vor dem ersten Advent, kam ich mir vor wie an der Warenannahme eines Großunternehmens (übrigens ganz unabhängig von Black Friday, aus dessen Schnäppchenschlacht wir uns nicht viel machen): Morgens hatte der Zeitungszusteller mit dem Südkurier auch einen Brief von arriva eingeworfen. Über den Vormittag stellte UPS zwei Pakete aus Irland vor die Tür. Eine geschäftliche Bestellung. Wenig später klingelte ein Bote von Hermes und übergab mir das Adventspaket von meiner Mutti.

Doch lange nicht genug: Kaum zwanzig Minuten später erhielt ich meine Lieferung von akzent Magazinen – immerhin eine beruflich veranlasste Zustellung. Mit der Briefpost kamen dann per DHL noch Geschenke für den Adventskalender aus Deutschland, aber auch Waren aus China. dpd brachte außerdem die ersten beiden Weihnachtsgeschenke. Und für nächste Woche habe ich schon Liefertermine für eine Möbellieferung für mein Büro – per Spedition allerdings aufgeteilt auf zwei Zustellungen.

Ich muss gestehen: Ich schäme mich etwas. Rechtfertigen kann man so vieles: Ja, wir bestellen hier auf dem Land mangels entsprechender Angebote vor Ort schon lange einiges online. Mit Corona ist das tatsächlich noch mehr geworden, um Kontakte einzuschränken. So kommt unsere Grüne Kiste vom Bio-Hofgut Rengoldshausen jetzt fast jede Woche – und gibt mir trotz Anlieferung ein gutes Gefühl. Auch den im Lock-Down neu gegründeten Brötchenlieferdienst Brezel-Taxi unterstütze ich gern – erspart dieser mir doch am Wochenende den Weg zum einige Kilometer entfernten Lieblingsbäcker.

Auch steht schon fest: Im Dezember werde ich einiges mehr an Paketen selbst verschicken als sonst. Zu Nikolaus möchte ich meine Eltern und meine Brüder mit ihren Familien mit einem kleinen Päckchen überraschen. Und Weihnachten gehen dieses Jahr wohl leider auch alle Geschenke auf die Reise an verschiedene Orte, statt sich im Kofferraum unseres Autos auf den Weg zu machen. Unsere Kinder haben sich längst darauf eingestellt, dass es 2020 keine große gemeinsame Auswickelei mit allen unter Omas Tannenbaum geben wird, sondern dass wir zum ersten Mal für die Feiertage einen eigenen Baum schmücken und in kleiner Runde feiern werden. Von 19 gemeinsam in einem Haus feiernden Weihnachtswichteln, dezimiert auf vier Personen unserer Kleinfamilie. Das wird still …

Doch zurück zum Stern-Artikel: Die Paketdienstleister – und natürlich auch Onlinehändler wie Amazon – rechnen mit einem Rekordjahr und haben deshalb ihr Stammteam aktuell um tausende zusätzliche Hilfskräfte und Extra-Fahrzeuge aufgerüstet. Diese in Zeiten der Pandemie sicher zu koordinieren, wird eine Herausforderung. Kundinnen und Kunden wie wir werden deswegen aufgerufen, Geschenke rechtzeitig zu bestellen und nicht erst auf den letzten Drücker zu versenden. Falls wir bei einer Lieferung nicht zuhause sind, sollen wir Pakete aus der Filiale oder Packstation möglichst rasch abholen, damit dort der Platz wieder frei wird. Auch einen Nachbarn anzugeben, der in der eigenen Abwesenheit die Pakete entgegennimmt, entlastet die Fahrer. Wir können also selbst schon einiges dazu beitragen, dass der Päckchenversand in dieser Weihnachtszeit läuft. Auch wenn wir vielleicht etwas mehr Post bekommen, als wir es mit unserem Gewissen vereinbaren können.