5. Februar 2024

Nicht jetzt „German first“

Manchmal holt uns die Vergangenheit wieder ein. Ganz konkret beispielsweise ein bereits vor sechs Jahren produzierter Werbeclip der Edeka-Gruppe. Der Kurzclip zeigt einen Edeka-Markt, in dem Kunden verwirrt durch die Gänge laufen, weil fast alle Regale leergeräumt sind. Nicht etwa von hamsterkaufenden Verbrauchern. Nein, es waren die Mitarbeiter des Supermarktes selbst. Die haben alle Waren entfernt, die im Ausland hergestellt wurden. In den Regalen steht nur deutsche Ware. Und das ist ziemlich übersichtlich. Was der Clip verdeutlichen soll: „Wir wären ärmer ohne Vielfalt.“

Eine äußerst aktuelle Aussage, angesichts der zahlreichen Demonstrationen gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit, die in den deutschen Städten gerade Hunderttausende Menschen auf die Straßen bringen. Meint auch Edeka, und teilt das Video daher erneut auf den Social-Media-Kanälen.

Im Netz kommt das jedoch nicht überall gut an, wie zahlreiche Kommentare unter dem Clip auf „YouTube“ zeigen. Dort wird prompt die Einkaufspolitik der Edeka-Gruppe heftig kritisiert. Man mache sich durch den Import von Waren „aus Billiglohnländern“ offenbar zu abhängig und solle lieber die heimischen Produzenten unterstützen. Das senke die „Abhängigkeit“ und den „ökologischen Fußabdruck“. Fazit: Was eigentlich als wunderbares Zeichen für Toleranz und Vielfalt gemeint war, geht in dem Fall (leider) nach hinten los.

In Bezug auf unser gesellschaftliches Zusammenleben möchten wir es dennoch mit der Kernaussage von Edeka halten: Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen – für Vielfalt. Oder, wie eine Kundin im Clip es treffend ausdrückt: „Wir sind doch ein offenes Land. Und erst recht nicht jetzt ‚German first‘!“