07 Aug. 2017

Ganz schön verdenglischt

Unser Sohn lernt gerade lesen. Dabei fällt mir auf, wie oft er Wörter falsch ausspricht – aber nicht, weil er sich verliest, sondern weil sie aus dem Englischen kommen und von Natur aus anders ausgesprochen werden. Tablet, Handy oder Baby finden sich zwar längst im Duden und sind Teil unserer Alltagssprache. Aber aus Kindermund wird deutlich, wie verdenglischt unsere Sprache bereits ist. Problematisch wird es, wenn gar nicht alles richtig verstanden wird, was da so englisch rüberkommt. Vor allem in Stellenanzeigen wird es gruselig: Unter Night-Manager (Nachtportier), Callcenter-Agent (Telefonberater), Trainee (Lehrling) oder gar Regional Sales Manager Full Service Internet Provider (keine Ahnung) geht nichts mehr. Ein deutsch-englisches Kauderwelsch.

In der Werbung sind Anglizismen uns Deutschen nicht nur unsympathisch, sondern sogar oft unverständlich. Laut einer Studie der Beratungsfirma Endmark verstehen zwei Drittel der Deutschen Claims auf Englisch nicht korrekt. Viele Probanden übersetzen zum Beispiel den Douglas-Werbespruch „Come in and find out“ als „Komm rein und finde raus“. Ziemlich peinlich. Und auch Waren und Dienstleistungen bekommen immer kompliziertere Namen. Schauen Sie sich bloß mal im Telefongeschäft um und staunen Sie über den „WLAN Router Powerline Access Point“ oder das „Starter-Kit SmartHome Echo Dot“.

Wir jedenfalls halten es mit Angela Merkel und legen großen Wert auf eine gut verständliche Sprache. Die Kanzlerin hatte 2009 Unternehmen aufgefordert „Informationen klar, eindeutig, verständlich und in einer leserlichen Schriftgröße zu formulieren. Das sind eigentlich ganz einfache Dinge. Man wundert sich, warum unsere deutsche Sprache so selten benutzt wird, um einfache Sachverhalte darzustellen.“