20. Juni 2022

Einmal Sommermärchen? Neun Euro.

Seit der Ankündigung im März hatte Deutschland Zeit, sich darauf einzustellen. Jetzt ist es soweit: Seit dem 1. Juni können wir für unglaubliche neun Euro im Monat drei Monate lang mit Bus und Bahn kreuz und quer durch die Republik reisen, so weit die Koffer uns tragen. Mit dem Angebot, das Teil des Energie-Entlastungspakets ist, möchte die Bundesregierung dazu beitragen, die in die Höhe geschnellten Kraftstoffpreise zu kompensieren – und Lust auf die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel machen.

Angesichts des damit einhergehenden Aufwandes für die Bus- und Bahngesellschaften war die Zeit zwischen der Ankündigung und Umsetzung zwar sportlich kurz. Aber offenbar lang genug, um die unvermeidlichen Kritiker auf den Plan zu rufen. Busse und Bahnen sind doch auch so schon immer zu voll! Hätte man das Geld nicht lieber in die Sanierung von Schultoiletten stecken sollen? Das überzeugt doch ohnehin niemanden dauerhaft von den Vorzügen des ÖPNV! Und nicht zu vergessen: Die Furcht der Menschen auf der Insel Sylt vor einem deutschen Ballermann in Westerland.

Spiegel-Autor Thomas Fricke setzt dieser typisch deutschen Schwarzseher-und-Jammer-Seele eine Portion Positivismus entgegen. In seiner Kolumne „Jetzt freut euch doch einfach mal!“ geht er auf die Kritiken ein, hält aber zugleich ein Plädoyer, statt des Chaos doch lieber ein Sommermärchen hinter der Idee zu sehen. Das 9-Euro-Ticket als einmalige Gelegenheit, für wenig Geld mit Bus und Bahn das Land zu erkunden, Freunde zu besuchen, Kurztrips zu unternehmen. Alles, was man ohne dieses Angebot vom Bund vielleicht so nie gemacht hätte.

Wir folgen ihm nur zu gerne und werden dieses 9-Euro-Sommermärchen genießen. In vollen Zügen. Und auch: in vollen Zügen!