29 Aug. 2016

Die zehn goldenen Regeln des journalistischen Schreibens

Kennen Sie das? Manchmal schlägt man die Zeitung auf, bleibt bei einer Überschrift hängen und liest – obwohl man vielleicht nur wenig Zeit hat – den Artikel bis zum letzten Punkt durch. Andere Texte wiederum liest man überhaupt nicht oder überfliegt sie nur. Woran mag das liegen? Neben dem Inhalt spielt natürlich die Form eine wichtige Rolle. Gute Texte sind vor allem klar und einfach formuliert, verzichten auf alles Überflüssige und erleichtern dem Leser das Weiterlesen. Wie das gelingt, haben wir für Sie als „zehn goldene Regeln des journalistischen Schreibens“ zusammengefasst:

1. Verwenden Sie kurze Wörter. Benutzen Sie nie ein langes Wort, wenn ein kurzes es auch tut. Schreiben Sie „Antwort“ statt „Rückantwort“, „Frisur“ statt „Haarfrisur“, „Anruf“ statt „Telefonanruf“, „häufig“ statt „keine Seltenheit“ oder „Räume“ statt „Räumlichkeiten“. Verzichten Sie auf Tautologien wie „seltene Rarität“, „flache Ebene“ oder „einzelnes Individuum“.
2. Bilden sie kurze Sätze mit maximal 15 Wörtern. Lange und kurze Sätze sollten sich abwechseln. Vermeiden Sie Schachtelsätze und Satzgirlanden, also Nebensätze in Nebensätzen. Unser Tipp: Ein Gedanke pro Satz.
3. Werden Sie konkret. Konkrete Beispiele machen den Text lebendig. Wir lieben das Anschauliche, Greifbare, Einzelne. Schreiben Sie „Tomaten und Spargel“ statt „Gemüse“ und übersetzen Sie abstrakte Zahlen in Bekanntes. Also besser „acht von zehn Patienten“ als „80 Prozent der Patienten“.
4. Ersetzen Sie Passiv durch Aktiv. Passivsätze verschleiern Sachverhalte, Aktivsätze hingegen nennen die handelnde Person. Statt „Pakete werden auch am 18. Dezember zugestellt.“ besser „DHL liefert Pakete und Päckchen auch am 18. Dezember.“. Ausnahmen: Wenn jemand etwas erleidet („Der Mann wurde von einem Hund gebissen.“) oder wenn die handelnde Person nicht interessant/bekannt ist („Die Rakete wurden um 18 Uhr gestartet.“).
5. Vorsicht bei Substantivierungen, also bei Wörtern mit den Endungen „-ung“, „-keit“ und „-heit“. Prüfen Sie, ob Sie das Substantiv durch ein Verb ersetzen können. Verben machen die Sprache lebendiger und direkter. Statt „Die Nichtbeachtung dieser Vorschrift hat eine Bestrafung zur Folge.“ besser „Wer gegen diese Vorschrift verstößt, wird bestraft.“.
6. Streichen Sie nichtssagende Adjektive. Zu viele Adjektive blasen den Text auf und verkomplizieren ihn. Manche sind sowieso überflüssig: „ein brutaler Mord“, „die nackte Wahrheit“, „brennende Fragen“ oder „innovative Neuerung“. Adjektive sind erlaubt, wenn sie zur Präzisierung beitragen („die felsige Küste“) oder Unterschiede kennzeichnen („das blaue Auto“).
7. Vorsicht vor (doppelten) Verneinungen, denn das Unterbewusstsein versteht sie nicht. Formulieren Sie stets positiv. Statt „Die Operation verlief nicht ohne Komplikationen.“ besser „Die Operation war kompliziert.“.
8. Verzichten Sie auf Behördensprache, also schwer verständliche, unpersönliche Sprache. Statt „Von der Kostenseite her ist das Produkt zu preisaufwändig.“ besser „Das Produkt ist zu teuer.“.
9. Vermeiden Sie Anglizismen, denn sie könnten auf Unverständnis stoßen oder Antipathie erzeugen. Verständlichkeit hat immer Vorrang! Erlaubt sind für die Mehrheit verständliche Lehnwörter wie Training, Team, Trick, Job, Flirten, Handy oder Toaster.
10. Vermeiden Sie zu viele Füllwörter wie „betreffend“ und nichtssagende Redensarten wie „in diesem Zusammenhang“. Sie ziehen Texte künstlich in die Länge. Verzichtet man auf sie, beschleunigt sich der Lesefluss.